Verkannte Erkenntnisse
Ich war ein relativ stures Kind.
Das heißt, ich ließ mir ungern Dinge erklären.
Gleichzeitig war ich sauer, wenn ich etwas nicht verstand.
Diese Kombination führt zu einer Reihe toller Erkenntnisse, mit denen ich glaube, mir die Welt auch ohne Hilfe anderer erklären zu können.
1. Theorie
Mit vier oder fünf Jahren entschied ich mich, an den Nordpol zu ziehen.
Warum?
Es gab da die Geschichten von der Erde, die sich dreht und um die Sonne wandert und irgendwie dafür sorgt, dass auf unterschiedlichen Teilen der Erde unterschiedliche Jahreszeiten herrschen.
Die einzig logische Erklärung für all diese Zusammenhänge erschien mir eine gevierteilte Erde. Sauber an den Längengeraden entlang verliefen die Grenzen, die zwischen Sommer, Winter, Herbst und Frühling trennten. Und so, wie die Uhrzeiten wandern, wanderten für mich auch die Jahreszeiten, so dass auch über Deutschland immer eines der Viertel hinwegzog.
Alle Jahreszeiten trafen natürlich an zwei Punkten wieder zusammen: Am Nord- und am Südpol.
Und ein Haus genau an diesem Punkt, mit einer Tür zu jeder Seite raus – das wäre es doch! Tag für Tag entscheidet man sich, ob man im Schnee toben oder ins Planschbecken möchte. Phantastisch.
2. Theorie
In etwa bis zu meinem elften Lebensjahr änderte sich meine Lieblingsfarbe niemals: Sie war rosa.
Die meiner besten Feundin war blau.
Und eine weitere Freundin liebte giftgrün.
Das beschäftigte mich sehr auf meinem (grundsätzlich Stunden dauernden) Heimweg von der Grundschule, da es für mich keinen triftigen Grund gab, weshalb sich meine Freundinnen so irren sollten.
In der Schule kamen wir schließlich auch auf die gleichen Ergebnisse. Wieso nicht hier?
Schließlich kam mir ein Gedanke, der alles aufklärte: Meine Freundinnen nahmen die Farben anders wahr. Für sie erschienen zum Beispiel Pflanzen in einer Farbe, die ich rosa nannte. Und weil ihnen ihre Mutter von klein auf beigebracht hatte, das Pflanzen grün sind, glaubten sie nun, diese Farbe hieße “grün”.
Es war also ein schlichter Irrtum. In Wirklichkeit mochten alle natürlich rosa am liebsten, sie hatten nur ihr Leben lang den falschen Namen dafür gelernt.
3. Theorie
Etwa zur gleichen Zeit kam ich in der Schule mit einem großen Geheimnis in Berührung: Was passiert, wenn man durch Null teilt?
Mit der Zeit hatte ich eine Menge unterschiedliche Theorien. Und eine präsentierte ich in der sechsten Klasse stolz meinem Mathematiklehrer.
Sie lautete: Jede beliebige Zahl durch Null geteilt ergibt wieder Null.
Ich begründete das mit der Umkehrrechnung 0×0. Und zwar sprachlich.
Wenn deine Tante drei mal zu dir kommt, und dir jedes mal fünf Bonbons mitbringt, dann hast du 3×5, also 15 Bonbons.
Wenn deine Tante dich besucht, und bei keinem der Besuche keine Bonbons mithat, dann hast du hinterher auf jeden Fall Bonbons, ohne dass man jetzt sagen kann, wie viele. Es sind 0×0 Bonbons.
0×0 ergibt also jede beliebige Zahl (für Klugscheißer: positive Zahl außer Null).
Und deshalb kann man sagen, dass jede beliebige Zahl durch Null geteilt Null ergibt.
Leider wurden nur sehr wenige von diesen und vielen weiteren tollen Theorien von meiner uneinsichtigen Umgebung anerkannt… =)
(September 2010)
Also _WENN_ du Theorie 1 wahr werden lässt, könnte ich mich auch für ein Haus am Nordpol entscheiden (wobei mir für gewöhnlich Frühling und Sommer noch am liebsten sind bzw. generell warmes und sonniges Wetter . Mir reichen also vermutlich 2-3 Türen
wenn mir doch mal nach Winter sein sollte, kann ich ja bei dir zu Besuch vorbei kommen *fg
Allerdings bis es soweit kommt, ist es mir dort definitiv zu kalt und auch zu trostlos *g
Nur mit deinen 0×0 Bonbons hab ich so das Problem, da mehr als 0 rauszubekommen .. bzw “beliebig viele”, andererseits hätte ich meine Tante vor der Tür stehen lassen, wenn sie das mehr als einmal mit mir gemacht hätte
Insofern wären also spätestens beim nächsten Besuch wieder mehr Bonbons da gewesen
Das ist mein Nordpol!
Ich sollte meine Tipps zu idealen Standortfaktoren eindeutig nicht so frei herausschleudern. Sonst ist mein tolles Grundstück zack-zack verkauft.
Aber wie wärs denn mit dem Südpol? Da wollte ich nie hin, weil einem dort kopfüber ständig das Blut in den Kopf läuft und schwindelig wird (Wahrscheinlich auch der Grund, weshalb Pinguine kalte Füße haben…). Aber wenn du dich damit abfinden kannst, wäre dort noch ein Vier-Jahreszeiten-Grundstück frei.
Okay.
“Meine Tanta hat bei keinem Besuch keine Bonbons mitgebracht”
ist gleichbedeutend zu
“Meine Tante hat mir nie keine Bonbons mitgebracht”
ist gleichbedeutend zu
“Meine Tante hat mit immer Bonbons mitgebracht”
Machts das irgendwie verständlicher?
Freut mich übrigens sehr, hier ab und an einen netten Kommentar zu lesen.
Dankeschön!
also zuviel Blut im Kopf und kalte Füße sind auch nix für mich @_@
so rum klingts doch einiges schlüssiger für mich *feix*
Frauen haben oft kalte Füße, aber ich bin ja keine ^^ aber du ne?! *anguck* dann wäre der Südpol doch eher was für dich *fg und da du kein Mann bist, störts auch nicht, wenn sich dein Blut im Kopf sammelt. Du brauchst das ja nicht noch woanders als Füllmaterial
Ja OK, die Ausrede mit deiner Tantenrechnung kann ich so hinnehmen
What a great resource!