Von Affen und Schlangen
Ein paar Jahrgangskameraden nehmen in Reli wohl gerade den Kreationismus durch. Jedenfalls höre ich immer wieder Sätze über “Intelligent Design”, die Schöpfungsgeschichte und die Evolution. Und nicht selten in in diesen Sätzen eine Wertung vorhanden, die zeigt: Ich bin auf der Seite der Wissenschaft – nicht bei denen, die an diesen dämlichen Geschichten festhalten.
Ich habe mir auf Youtube ein paar Videos um einen US-amerikanischen Streit angesehen, in dem es darum ging, ob in der Schule die Schöpfungsgeschichte oder die Evolution gelehrt wird. Beides zu lehren scheint für die Amerikaner nicht in Frage zu kommen, denn das hieße, dass ihre Kinder sich eine eigenständige Meinung bilden.
Jedenfalls sind da die Kreationisten, die sich in Agitation mit lustigen Kinderliedern üben, und die Wissenschaftler, die panische Angst davor haben, dass ihre Kinder auch einen zweiten Standpunkt mitbekommen, und beide hauten sich über Jahre die Köpfe ein.
Ich habe natürlich keine Ahnung, was vor ein paar Millionen Jahren tatsächlich geschehen ist.
Denn ich kann mir auf der einen Seite ein paar Knochen im Museum anschauen und mir erzählen lassen: Das ist der Neandertaler, und der beweist dies und jedes. Und auf der anderen Seite kann ich ein paar Leuten zuhören, die mir erklären, dass es praktisch unmöglich ist, dass dieses und jenes Tier ohne göttlichen Schubs in die richtige Richtung entstanden ist.
Aber seien wir ehrlich: Der Typ im Museum könnte mir auch einen stinknormalen Schimpansen-Schädel vor die Nase halten und mir irgendwas dazu erzählen. Und im Gegenzug kann ich überhaupt nicht abschätzen, wie wahrscheinlich dieses und jenes Tier so ist.
Letztendlich höre ich mir also von zwei Seiten Geschichten an, von denen ich persönlich nicht abschätzen kann, wie viel Wahrheit dahinter steckt. Welcher Seite ich Glauben schenke scheint für mich inzwischen weniger eine Sache der Vernunft, als eine Sache der Konventionen und meines Umfeldes zu sein.
Und dabei ist anscheinend immer völlig klar, dass ich mich entscheiden muss – Glaube oder Vernunft?
Dabei denke ich, dass Wissenschaft und Religion vielleicht ein und das selbe Geschehen betrachten, nur aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Nehmen wir Lilli und Lola, die zu ihrer Freundin Olivia fahren. Dort angekommen fragt Olivia: “Nanu, wieso seid ihr denn hier?”
Und dann beginnt Lilli: “Also. Wir sind zum Bahnhof gegangen, stiegen in diesen Zug ein, warteten ein paar Bahnhöfe ab, stiegen dann an diesem Bahnhof wieder aus und sind das restliche Stück zu deinem Haus gelaufen.”
Lola hingegen antwortet: “Och, wir hatten einfach Lust, dich mal wieder zu sehen.”
Falsch ist keine der beiden Antworten. Und um es mal zu übertragen:
Der Mensch fragt sich: “Wie bin ich denn hierher gekommen?”
Und die Wissenschaft sagt: “Tja, du bist in die Bakterie eingestiegen, hast ein paar Gattungen abgewartet, bist schließlich bei den Menschenaffen ausgestiegen und hast dich das restliche Stück bis hier entwickelt”
Während die Religion antwortet: “Gott hatte Lust darauf”
Wieso sollte auch Gott, wenn er handelt, immer völlig außerhalb aller Wahrscheinlichkeiten handeln?
Wenn Gott die Naturgesetze geschaffen hat, wieso sollte er sie brechen müssen, um zu agieren?
Wieso sollte er uns aus Lehm oder einer Rippe formen, wenn er auch einfach das vorhergehende Tier nehmen kann?
Habt ihr mal einen der Final-Destination-Filme gesehen? Die Filme mit dem Tod, der hinter einer Gruppe Menschen her ist, die eigentlich gefälligst hätte sterben müssen?
Ein Maus knabbert an einer Weiche rum, die Befestigung eines Säbels kann nicht länger der Schwerkraft standhalten – und schwupps, geht wieder einer drauf.
Einer dieser Filme hat gereicht, um mich eine Woche lang paranoid werden zu lassen – aber eines zeigen sie doch ganz eindrucksvoll: Es braucht kein spektakuläres Wunder, um eine Übermacht handeln zu lassen. Der Tod kann sich ganz wunderbar im Rahmen der Naturgesetze austoben.
Mag makaber klingen, aber so könnte ich mir das auch für Gott vorstellen, wenn es denn einen gibt. Einer, der eingreifen kann, ohne, dass wir viel davon merken. Der nicht durch Ungereimtheiten greifbar wird. Und der sich nicht durch physikalische Erkenntnisse widerlegen lässt.
Vielleicht ist es auch völlig anders.
Aber so ein Gott würde doch zumindest zeigen, dass es nicht notwendig ist, sich in eine Sichtweise festzubeißen und alles andere für Humbug zu erklären.
(Oktober 2010)
“Wieso sollte er uns aus Lehm oder einer Rippe formen” nun zumindest _das_ wird ja (schriftlich) von der Religion in der Bibel behauptet.. und das Ergebnis war ein Mann, der sich direkt vernünftig artikulieren konnte und sogar schon in der Lage war, mit der nachgelieferten Frau zu diskutieren, ob Obst oder nicht Obst (OK, er hat sich gefügt.. aber der Klügere gab halt schon damals nach *hust*
) Er musste demnach also nicht mehr evolutionieren.. Für die Evolution gibts ja aber wiederrum genug Hinweise.. sonst hätte die Frauenwelt es nicht nötig gehabt, sich wieder zu emanzipieren 
Der Mann muss es also unterwegs irgendwann geschafft haben, die Hosen anzuziehen, während Frau sich in den luftigen Röcken verwickelt hat und durch ihre Entwirrungsversuche keine sehr aktive Teilnahme am Entscheidungs-/Entwicklungsprozess der Menschheit demonstrieren konnte.
Und nimmt man dann aber deine Sicht auf Gott mit (Maus an der Weiche usw), waren wohl Hiroshima und Nagasaki die neuen Sodom und Gomorrha und fielen einer größeren Renigungsaktion des verdeckt agierenden Gottes zum Opfer? *kopfkratz* Ob’s so einfach ist?!
Und legt man der Wissenschaft eine kürzer gefasste und trotzdem treffende Antwort in den Mund (Es soll wirklich Wissenschaftler geben, die sich kurz fassen können^^)
dann würde das evtl so klingen:
die Religion sagt: “Gott hatte Lust darauf”
Und die Wissenschaft sagt: “Die Natur hatte Lust darauf”
Dann stände nun Natur vs. Gott.
zu anderen Zeiten greift dann doch eher der uralte (christliche) Rat:
vermutlich wussten die damals schon, dass er mit andern Dingen zu sehr beschäftigt ist (vermutlich schubbst ihn seine Olle von einer Wolke zur nächsten *feix*) insofern: ich hab keine Ahnung ob oder ob nicht, aber ich verlasse mich nicht drauf.
Die Natur kann man sehen, erforschen und beGREIFEN, an Gott muss man in erster Linie GLAUBEN.
Sicher ist es bequem, wenn man allem, was einem so passiert, anhängen kann, dass da Gott dran schuld ist..
Und wenn man diverse Vorkommnisse in dem Glauben, dass es Gott gibt, betrachtet, kann man durchaus zu dem Schluss kommen,
dass Gott (mindestens in diesen Fällen) durchaus ein @rsch ist ^^
Wenn du mich nun fragst, ob ich an Gott glaube oder nicht, sind es genau genommen auch solche Momente, in denen ich einen Gott akzeptieren würde, weil es die Verantwortung dafür delegiert und es somit niemand greifbaren gibt, den man für diese Vorkommnisse dringend schlagen sollte
hilf dir selbst! (…dann hilft dir Gott)
Okay, auf einige Details müsste man wohl verzichten. Der Text sollte auch eigentlich nicht aussagen, dass man die Bibel wörtlich nehmen soll, sondern gegen die Einstellung argumentieren, von der ich das Gefühl habe, dass sie bei manchen herrscht: “Entweder hat Gott uns geschaffen, oder es gab die Evolution. Die Evolution ist deutlich überzeugender bewiesen als die Schöpfung, also kann Gott nichts mit unserer Existenz zu tun haben”.
Jepp – aber keine, die ich persönlich erfahren habe. Und weil ich in einem Kulturkreis und einer Familie aufgewachsen bin, in der man mir gesagt hat, dass ich dem Mann im Museum mehr Vertrauen schenken soll als dem Mann mit der Bibel unter Arm, der bei uns klingelt, glaube ich das auch wohl. Andere Umgebung, und mir wäre verklickert worden, dass der Mann mit der Bibel recht hat. Das sagt aber nichts über meine Mündigkeit, Vernunft, Forschrittlichkeit oder sonst etwas aus.
Es ist ein Gefühl – und nichts, was ich aus mir heraus weiß.
Gerade bei den Atombomben kann man beliebig über die Unergründlichkeit philosophieren: Wenn der Krieg nicht durch die Atombomben beendet worden wäre, vielleicht wäre der Krieg so grausam fortgesetzt worden und hätte noch mehr Länder reingezogen, so dass die Atombomben zwar eine unmenschliche, aber die relativ menschlichste Alternative waren. Oder so.
Persönlich glaube ich das nicht. Ich glaube einfach überhaupt nicht, dass Gottes Wille dahinter steckt, sondern nur die Gedanken eines Präsidenten, der das als die einfachere Lösung kalkulierte.
Es ist Schwachsinn, zu sagen: So ist es, also soll es so (Humes Gesetz).
Ich sage nur: Vielleicht steckt hinter manchem, das ist, auch ein Soll dahinter.
Ja. Wenn das aber der Grund schlechthin ist, wieso man glaubt, dann ist man ein Bauerntölpel.
Religion ist aus der Frage “Was steckt dahinter?” gekommen und stellt eine Suche und Hoffnung dar – sie ist nicht als Möglichkeit gedacht, sich unmündig zu machen und Verantwortung abzuschieben.
Gott ist dein Boxsack?
DIE Sichtweise habe ich noch nie gehört.
Agnostiker?
ich hoffe mal, das mit deinen Quotes funktioniert auch für mich
:
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Sicher hast du recht, dass dein Umfeld Einfluß darauf hat, ob du primär die Evolutions- oder die Schöpfungsvariante als gegeben annimmst.. aber da du so schön sagst
Welche der beiden Varianten kannst du denn einfacher nachprüfen, wenn du vernünftig, fortschrittlich und eigenverantwortlich deine Umwelt und mögliche Informationsquellen konsultierst und analysierst, was eher wahrscheinlich ist?!
…mal angenommen, es wäre so, dass gelegentlich ein von wo/wem auch immer (Schicksal, Gott, Dämon..) vorgegebenes “Soll” dahintersteckt…
also sagen wir lieber: “…so beweisen, dass es für andere nachvollziehbar und akzeptabel ist” .. ?! Ok, andererseits ist unser tägliches Leben sehr oft davon durchzogen, dass man es bei einem nicht voll untermauertem “ich glaube, dass …. ” belässt und andere dass dann als gegeben hinnehmen, bis irgendwer das Gegenteil behauptet und evtl. auch noch belegt.. dann steht der Erste ein bissl blöd da, alle die es ihm abnahmen auch und der Besserwisser wird schlimmstenfalls ausgebuht oder auf dem Scheiterhaufen entsorgt, es sei denn er findet schnell genug genügend Meinungsanhänger bzw. Rückhalt, um der ersten Meinung zu trotzen oder seine Argumente sind so überzeugend, dass niemand sie widerlegen kann…
welcher Mensch (oder vielleicht Supercomputer oder was auch immer) sollte in der Lage sein, das zweifelsfrei zu erkennen und ggf. vielleicht sogar noch nachprüfbar (reproduzierbar?!) zu beweisen.. so dass andere ihm das glauben.. ups da sind wir ja wieder beim “Glauben”
Ich denke, hier liegst du falsch… Die Religionen, die ich kenne, sind aus Unwissenheit, Unsicherheit, Angst vor Unbekanntem/Unerklärlichem (zum damaligen Zeitpunkt der menschlichen Entwicklung) und der Hoffnung der großen Masse entstanden, das ein oder mehrerere höhere Wesen die Geschicke der Menschheit lenken und in der Hand haben und meist gibt es auf der andern Seite einige wenige, die sich das zu Nutze machten und der Masse erzählten, vorschrieben, aufzwangen, was sie glauben sollen und was angeblich die einzige Wahrheit ist. Spaßig ist, dass die meisten Religionen nur sich selbst, als die einzig wahre ansehen und alle andern Ketzer sind. Somit begeben sich Gläubige durchaus in eine gewisse Unmündgkeit, indem sie ihrer Glaubenslehre folgen und eben NICHT hinterfragen “Was steckt dahinter”. In dem Fall würden sie nämlich in vielen Fällen Anworten wie Macht, Habgier, Herrschsucht u.ä. bekommen (oder schöner umschrieben: “Unser Gott will das so und du bist viel zu klein, um seine großen Pläne zu verstehen. Also geh hin und stirb für ihn oder gib wenigstens dein ganzes Hab und Gut”
)
Nein.. ich schrieb:
würde man es NICHT Gott in die Schuhe schieben können, sondern jemand anderem, dann sollte man diesen anderen dringend dafür schlagen.
Gott zu schlagen dürfte etwas zu kompliziert sein, selbst im Falle, es gibt ihn und er materialisiert sich soweit, dass er für Schläge empfänglich wäre.
…still-verbal kann man allerdings sehr toll mit ihm hadern.. er widerspricht nämlich NIE ;-P
hmm wenn ich genau darüber nachdenke, passt das wohl.. auch wenn ich mal mehr oder weniger katholisch erzogen wurde…
ok.. zu gut 80% hats funktioniert.. wieso der eine es nicht tat, ist mir allerdings ein Rätsel.. war genauso verpackt, wie die anderen Quotes.