Unschweigsam

Gedanken

Das Schöne an großen Stammbäumen
(und jeder Stammbaum ist irgendwann groß)
ist dass man sie in zwei Richtungen lesen kann:
Ein Mensch zeugte tausende Kinder
und vererbte sich in tausend kleinen Portionen.
Tausende Menschen zeugten ein Kind

und gaben ihm tausend Wurzeln.

Es ist vollkommen verständlich,
wenn jemand aufgrund seiner Vergangenheit noch Probleme hat.
Aber auch, wenn das manche Dinge entschuldigt und erklärt,
rechtfertigt es nicht,
dass man auf dem Stand seiner Vergangenheit bleiben sollte.

Wer immer im Mittelpunkt stehen möchte,
wird mitunter für ein Arsch gehalten.
- Das ist kein Wunder.
Die Hälfte der Menschen
können von einem,
der im Zentrum steht,
nur den Hintern sehen.

Ich bin der Meinung,
Religionsfreiheit sollte nicht nur innerhalb eine Staates,
sondern auch innerhalb eines Menschen gelten.
Das heißt, man sollte sich irgendwann
bewusst für seine Religion entschieden haben.
Sonst hat man seine staatliche Religionsfreiheit nie genutzt.

Wir leben in einer Demokratie.

Auf der rechten Seite haben wir ein System,
die wirtschaftlich höchst rentabel ist,
aber leider sehr ungerecht.

Auf der linken Seite haben wir ein System,
das sich um Gerechtigkeit bemüht,
sich aber nicht finanzieren kann.

In der Mitte bilden sich nun viele Parteien,
die weder den Staatshaushalt ganz ausgleichen können,
noch völlig gerecht sind,
und so beide Seiten ein bisschen unglücklich zurücklassen.

Heldentum ist oft die Vertauschung von laut und leise:
Es besteht darin,
zu widersprechen,
wenn schweigen der leichtere Weg ist,
und geduldig zu ertragen,
wenn man Lust hat, zu schreien

Ein treuer Mensch hält zu seinem Freund,
auch wenn der gerade dabei ist, Scheiße zu bauen.
Er weicht nicht von seiner Seite,
weil er weiß, sein Freund ist nicht perfekt
und braucht ihn jetzt.

Ein loyaler Mensch hält zu der Scheiße,
die sein Freund gerade baut.
Er erklärt sie zu Diamant,
weil er hofft, dass sein Freund perfekt ist,
und diesen Glauben braucht.

Treue beruht auf Ebenbürtigkeit.
Loyalität beruht auf Abhängigkeit.
Pass auf, wofür du dich entscheidest.

Gefühle können ein mildernder Umstand sein
- wenn jemand aus Eifersucht handelt,
dann kann man es ihm leichter nachsehen,
als seine blinde Willkür.

Gefühle können eine gute Neigung sein
- wenn jemand aus Mitleid handelt,
war das vielleicht notwendig und gut.

Aber niemals können Gefühle als Indikator dienen,
um zwischen richtig und falsch zu unterscheiden.

Denn wo der Eifersüchtige freie Hand hat,
und wo nur dem geholfen wird, der Mitleid erregt,
da herrscht bald eine neue Form der Willkür.

Ich möchte kein Verständnis.

Verständnis bedeutet immer,
dass ich etwas falsch gemacht habe,
aber dass man es mir nachsieht,
weil ich aus Wut oder Angst,
aus Gleichgültigkeit oder Eifersucht gehandelt habe.

Es bedeutet, dass mein Gegenüber nicht erwartet,
dass ich meine Gefühle im Zaum halten kann.
Er versetzt sich in meine Lage,
weil ich nicht vernünftig wirke,
wenn man mich nur von außen betrachtet.
Er drückt auf liebevolle Weise seine Geringschätzung aus.

Ich möchte Konsequenz spüren,
Wut und Sanktion.
Sie sind der Beweis,
dass mein Gegenüber eigentlich
eine hohe Meinung von mir hat.

Versuchung füht sich besser an als Beschränkung.
Illusion fühlt sich besser an als Enttäuschung.
Nehmen fühlt sich besser an als Verzicht.
Wegsehen fühlt sich besser an als Mitleiden.
Ignoranz fühlt sich besser an als Konfrontation.
Lügen fühlen sich besser an als Beichten.

Bevor du also einen einfacheren Weg gehen möchtest,
und dem Schmerz ausweichst, nur weil er schmerzhaft ist,
prüfe, ob dieser Schmerz nicht ein Indikator des Guten ist,
ein rostiger, scharfkantiger Wegweiser.

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