Die Schlange
Stellt euch vor, da wär eine Schlange,
die traurig ihr eigenes Muster betrachtet.
Es ist bunt und schön, doch es passt nicht zu ihr,
es ist nicht, was sie zu sein trachtet.
Stets fühlte sie sich in ihrer Haut
wohl und gewohnt, geschützt und geborgen.
Doch leiste Stimmen zischeln ihr zu:
In dir liegt ein anderes Muster verborgen.
Das ist nicht neu, das ist langsam gewachsen,
war dir stets nah, ist nur gut cachiert.
Sie kennt nicht das Muster, das sie bezeichnet,
sie fürchtet ein wenig, was nun passiert.
Wird sie bereuen, wenn sie sich nun häutet?
Kann sie zurück, ist es erstmal geschehn?
Sollte sie nicht doch vorsichtshalber,
nur für eine Weile gehn?
So denkt die Schlange, die langsam sich häutet
- und was da noch liegt, war ein Teil von ihr.
Wie kann es sein, dass es ihr nichts mehr bedeutet?
Dass sie ohne Schutz nicht verletzt ist und friert?
Sie schlängelt sich weiter, sieht zurück auf die Hülle.
Stets brauchte sie ihre Haut doch mehr,
als diese Haut je ihrer bedurfte
- dennoch wirkt diese Hülle nun fahl und leer.
Der Vergleich ist poetisch, doch er hinkt.
In mir wird berechtigter Widerspruch laut,
bezeichne ich ihn, der so für sich allein stand
nur als spröde, dröge Haut.
Ich weiß, dass er jemanden finden wird,
der sein Muster schätzt und liebt.
In ihren Augen wird sein Muster sich spiegeln,
Und er wird erfüllt sein, weil er sie umgibt.
Ich sage es, weil ich es meine und wünsche.
Und trotzdem sind Tränen in meinem Gesicht.
Ich schlucke bei “für immer”. Ich hasse “nie mehr”.
Weil alles schmerzt, wenn es endgültig ist.