Unschweigsam

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Rechtfertigung

  • 27. Juli 2011 20:06

Ich habe gerade wieder Christians Verweigerungs-Schreiben für die Bundeswehr auf meinem Computer entdeckt.

 

Ich finde es witzig, dass junge Männer bis vor kurzem eine Rechtfertigung dafür abgeben musste, wieso sie nicht durch Schlamm kriechen, schweres Gepäck tragen, unbequem übernachten und unfreundlich behandelt werden wollten – während es keines Worts der Erklärung bedurfte, wenn jemand unbedingt eine Waffe in der Hand halten wollte.

Schwerin, Schwerin…

  • 24. Juli 2011 14:37

…wir fahren nach Schwerin.

 

Die Wohnungssuche ist beendet. Kurz vor der Verzweiflung.

 

Ich stand die ganze Zeit unter Strom, weil sich kein Lichtblick zu zeigen schien. Ich habe etliche Seiten durchforstet und Leute angeschrieben, Absage um Absage bekommen und wieder von vorne angefangen. Die Traum-WG stellte sich als wenig traumhaft heraus, einige Wohnungen als viel zu weit draßen, die “Kochecke” bestand aus einem Wasserkocher und wenn etwas günstig war, dann war es kurz vor dem Auseinanderfallen. Und nach einem Tag voller Besichtigungen war ich müde und kaputt und keinen Schritt weiter.

 

Diese Prozedur hatte ich jezt einige Male.

 

Christians Mutter meinte zu mir, dass würde schon werden. Immerhin sein auch ihre Kinder nach einiger verzweifelter Suche alle gut untergekommen.

Marie hat mir Mut zugesprochen und war sich sicher, dass alles gut ausgeen würde.

Christian meinte, wenn die Wohnung die richtige wäre, würde ich das merken.

Dummerweise habe ich jede Mal, wenn ich das von einer Wohnung dachte, noch am gleichen Abend eine Absage bekommen.

 

Ich bin am Donnerstag wieder nach Bayern gefahren. Ich hatte eine Unterkunft, bei der ich einen Vertrag bekommen würde. Sie war nicht herausragend. Man konnte dort eben recht gut unterkommen und sie war nicht ewig weit von meinem Arbeitsplatz entfernt. Aber sie war definitiv nicht das, was ich mir erträumt hatte. So, dachte ich, damit ist das beendet. Sie haben alle geflunkert, Marie und Christian und Christians Mutter. Es hat sich nicht in Wohlgefallen aufgelöst.

Ich hatte noch zwei WGs, die mir noch keine ausdrückliche Absage gegeben hatten. Eine davon hatte ich ziemlich schnell ausgeschlossen. Bei der anderen sah ich eine Möglichkeit, aber nur eine Kleine.

 

Am Freitag hat dann die erste angerufen. Ich machte mich auf eine Absage gefasst, machte ein gelassenes Gesicht, nahm den Hörer ab und antwortete mit ruhiger Stimme. Und dann haben sie mir zugesagt.

Ich war relativ perplex und habe wohl nicht mit dem freudigen Geschrei reagiert, dass sie erwartet haben. Ich hab das noch nicht ganz verdaut. Gestern Abend, kurz vor dem Einschlafen, ist es mir mal kurz klar geworden, und ich habe mich unheimlich gefreut. Aber eigentlich habe ich immer noch Angst, dass sie plötzlich anrufen und alles wieder zurücknehmen. Ich habe ja bisher nur ihre mündliche Zusage.

 

Wenn ich vernünftig bin, weiß ich, dass sie nichts zurücknehmen werden. Und dann steht es also fest.

Am ersten September, in einem guten Monat, werde ich in einer supertollen WG leben, weit weg von zu Hause. Ich werde mich morgens auf mein Fahrrad schwingen, zur Landesvereinigung für Gesundheitsförderung fahren und arbeiten. Ich werde jede Menge neue Gesichter und Namen lernen müssen, meine Familie und meine Freunde erstmal nur noch über Skype zu sehen bekommen, meinen Papierkram alleine organisieren müssen und erstmals auf meinen ganz eigenen zwei Beinen stehen.

 

Das wird… spannend.