Unschweigsam

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Meine wachsende Pyromanie

  • 30. Dezember 2010 17:38

Kleine Vorgeschichte: Als ich schätzungsweise fünf war, wurde bei meinen Lieblings-Nachbarn mit einem übriggebliebenen Böller Feuer gelegt (indem ihn wohl irgendjemand angezündet und in ihre Mülltonne gesteckt hatte). Die Nachbarn waren nicht zu Hause und nachdem mein Bruder das Feuer bemerkt hatte, versuchten er und ich es die ersten fünf Minuten alleine in den Griff zu kriegen. Es war noch nicht weit über die Mülltonnen hinausgekommen, aber bereits größer als wir. Und während wir mit viel zu kleinen Mengen Regenwasser gegen ein wachsendes Feuer kämpften, hörte man aus dem Haus das Bellen des Jagdhundes. Er war nicht in Gefahr, aber er versuchte verzweifelt, Alarm zu bellen.

Das Image von Feuer hat unter dieser Begebenheit stark gelitten.


Daher hat es auch lange gebraucht, bis ich Streichhölzer anzünden konnte. Und Feuerzeuge beherrsche ich noch immer nicht. Das hat aber wiederum nichts mit Angst zu tun, sondern schlicht mit meiner Ungeschicklichkeit.

Wie auch immer: Ich habe eigentlich nicht gerade ein gutes Ausgangsverhältnis zum Feuer.


Seit diesem Weihnachten weiß ich aber, dass ein offener Kamin so ziemlich das Gemütlichste ist, was man sich ins Zimmer stellen kann. Man kann da auch Stunden reingucken. Vielleicht, weil das Feuer zu schnell für unsere Augen ist. Wie unter Blitzlicht ist die Flamme mal so, mal so, ohne, dass wir den Übergang gesehen haben. Und dabei sind seine Züge so weich. Schnell züngelnd, aber trotzdem, als wäre jede Bewegung genau so geplant gewesen. Geschmeidiger als fließendes Wasser. Abgerundeter als die computerretuschierten Kurven der Frauen aus Modeblättern. Ein optischer Hammer.


Außerdem habe ich festgestellt, dass Feuer hier nicht, wie es bisher in meiner Vorstellung war, ein gefährliches, schnell um sich greifendes Monster ist, sondern ein schüchternes Würmchen, das man mit kleinen Stöckchen aufpeppeln muss, das man sehr sorgsam bepusten muss und an dem man Streichholz für Streichholz verbrennen lässt, bevor es langsam, ganz langsam das Selbstvertrauen fast, ein paar Minuten eigenständig zu Knistern. Und auch dann ist es noch ein langer Weg zu einem prassenden Kaminfeuer, das über Stunden hinweg immer neue Scheite verlangt, um hohe Flammen schlagen zu können.

Das gilt zumindest für jedes Feuer, das ich bisher zu entfachen versuche.


Wenn also jemals meine neu gewonnene Begeisterung für Feuer ins Böse umschlagen sollte, dann kann ich versichern, dass jede Angst vor mir unbegründet ist.

Ich wäre der untalentierteste Pyromane, der je brandstiften wollte.

Weihnachten

  • 30. Dezember 2010 17:31

Ich habe ein tolles Weihnachten hinter mir.


Dabei war meine Vorweihnachtszeit eigentlich kein Stück besinnlich.

Ich bin in einem verkürzten Jahrgang, daher wurde der Termin für die Facharbeitsabgabe stark vorgezogen (23.12.). Meine Fächerkombination und meine Wahlfächer sorgten dafür, dass ich eine Woche länger Klausuren schrieb als die meisten meiner Jahrgangskameraden. Dadurch, dass ich im Chor und im Vokalensembe bin, gab es kurz vor dem Weihnachtskonzert (am 22.12.) noch einige Sonderproben am Nachmittag. Und irgendwo dazwischen hätte ich auch noch Weihnachtsgeschenke besorgen müssen.

Kurz und gut: In der Nacht vor der Facharbeitsabgabe machte ich durch, um sie zu korrigieren und sie auszudrucken. Ach, und um meine Tasche zu packen, weil wir am nächsten Tag nach Niedersachsen wollten.

Zwischen zwei und drei Uhr nachts hielt ich erstmals meine Facharbeit stolz in den Händen: „Geschichte – Mythos – Gegendichtung: ‚Wilhelm Tell für die Schule’ von Max Frisch’“ lautete mein Titel.

Dann fand ich einen Rechtschreibfehler. Und entdeckte eine fehlende Quellenangabe. Und änderte noch eine Überschrift. Und druckte immer wieder die betroffenen Seiten neu aus – um festzustellen, dass etwas verrutscht war. Ich änderte es, da verschwand meine automatisch generierte Seitenzahl. Der Text rutschte auch plötzlich auf die nächste Seite.

Ich stellte alles wieder her, versuchte es erneut, drehte eine Runde am Rad und trickste schließlich solange rum, bis ich zumindest in der ausgedruckten Version jede Seite einmal gemäß der Vorschriften hatte (es war derweil fünf Uhr morgens). In meinem Dokument auf dem Computer herrschte inzwischen das reine Chaos.


In derselben Nacht hatte ich eigentlich das Geschenk für meinen Vater fertigmachen wollen. Aber auch eine durchgemachte Nacht – von der ich mir bisher immer unermessliche Mengen an Zeit versprochen hatte – hat Grenzen. Als mein Radiowecker anging sah ich ein, dass er dieses Jahr einen Gutschein für ein nachgeliefertes Geschenk bekommen müsste.


Und dann ging ich, wie üblich, zum Bus. Und wie üblich kam der Bus etwas früher, als es mir lieb war, und ich musste rennen. Und nach vierundzwanzig Stunden Schlafentzug – und das ist jetzt nicht mehr üblich – wurde mir vom rennen schwindelig und ich war restlos groggy, als ich in der Bus einstieg.

Marie, die seit dem Vortag da war, stieg etliche Stationen weiter dazu. Irgendwie mag sie es, mich in die Schule zu begleiten. Wir gaben meine Facharbeit ab (in der ich im letzten Moment doch noch einen Rechtschreibfehler fand, verdammt) und warteten auf den Gong. Netterweise schrieb sie in Mathe für mich mit, während ich meinen Kopf in den Armen vergrub und ein bisschen Schlaf nachholte. Als das vorbei war steckte sie mich auf die Rückbank des Bullies, übernahm zusammen mit Christian das Fahren und ließ mich ein paar wunderbare Stunden schlafen.


Zum ersten Mal war ich über die Feiertage nicht bei meiner Familie, sondern bei der Familie meines Freundes. Menschen und Katzen wurden bei der Ankunft ausgiebig geknuddelt und die letzten Angelegenheiten für den nächsten Tag wurden besprochen. Und viel zu wenige Stunden Schlaf später war Heiligabend.

Nach der Kirche brach eine Diskussion aus. Es fing noch mit dem Thema der Predigt und Religion an sich an. Marie diskutierte mit Burkhard und Claudia, Christian mit Phillip und Daniel mit mir. Irgendwann waren wir bei wissenschaftlichen Thesen und religiösen Dogmen, Gnosis und Agnostizismus angelangt. Während wir vor der Tür noch zackerten, sangen die anderen drinnen schon mal Weihnachtslieder. Zum ersten Mal habe ich mit Daniel ein richtiges Gespräch geführt.


Am ersten Weihnachtsfeiertag bearbeiteten Marie und ich eine Gans. Am zweiten spielten alle Activity (mit viel Improvisation, da wir das Spiel gar nicht da hatten). Am 27. gingen wir zusammen ins Kino, um Rapunzel zu gucken.

Und in der Zeit dazwischen habe ich ein paar Erfahrungen gesammelt.


Zum Beispiel, dass Katzen und Winter eine nur mittelgute Mischung abgeben.

Einerseits gibt es im Winter keine Zecken – das ist klasse. Auch sind sie sehr schmusebedürfig und rollen sich überall zusammen, wo es warm ist, was zusammen mit dem Eiszapfen an der Dachrinne und einem offenen Kamin ein klasse Bild abgibt.

Andererseits sind sie der Meinung, dass es viel zu kalt ist, um ihr Geschäft draußen zu verrichten, und kacken lieber auf den Teppich. Und das ist Scheiße. Wortwörtlich.


Wie ich außerdem festgestellt habe ist Christians Familie (über 60% männlich, über 80% volljährig) bereit, sich mit großer Freude einen Barbie-Animationsfilm anzusehen – vorausgesetzt, die zweiundzwanzigjährige Tochter der Familie, von der der Film stammte, leidet darunter Qualen der Scham und kann noch tagelang mit Zitaten daraus aufgezogen werden.


Als nächstes steht uns Silvester bevor. Das wird super.

Schreibflow

  • 21. Dezember 2010 03:36

Ich weiß, dass mir nachts das Schreiben leichter fällt.

Keine Ahnung wieso.


Seit ich kaum noch Zeit für meine längeren Geschichten habe, kam die Nacht meistens meinem Schönheitsschlaf zugute.

Jetzt habe ich festgestellt, dass der nächtliche Vorteil auch für die Facharbeit gilt. Yay!

Endlich habe ich eine gescheite Einleitung =)


Noch wenige Stunden, dann werde ich in kater-ähnlichem Zustand in der S-Bahn sitzen, auf dem Weg zum Englischunterricht, und diese Erfahrung bitter bereuen…

Bilanz

  • 10. Dezember 2010 10:09

Gerade habe ich um unser Haus Schnee geschippt (und wir haben ein Eckhaus, verdammt…) und da dachte ich, dass es Zeit wäre, Bilanz zu ziehen. Gucken, ob ich den Winter nun gut oder schlecht finden soll. Zunächst einmal: Schneeschippen ist  eindeutig ein Argument für schlecht. Zumal es total pulvriger Schnee ist, den man wirklich kehren muss, statt einfach ein paar Kugeln für einen Schneemann den Gehweg entlangzurollen. Das Zeug pappt kein Stück! Man kann noch nicht mal seinem Vater auf dem Weg zur Arbeit mit Schneebällen hinterherwerfen…


Andererseits kann man sogar dem Stromkasten vor dem Haus etwas Kitsch zuschreiben, seit alles voller Schnee ist. Und irgendwie gehört es zum Winter ja auch dazu, dass es nur noch den blauen Himmel und das Weißbedeckte darunter gibt. Und jetzt gerade glitzert auch noch die aufgehende Sonne zwischen den schneebedeckten Zweigen durch…  Schnee an sich packe ich also mal auf die positive Liste.


Aber dann gibt es auch wieder Tage, an denen anstelle von blau-weiß grau-grau herrscht. Das ist Unbayrisch! :-)

Und vor allem heißt das, dass ich durch den schnöden Schneematsch laufen muss. Und der kombiniert die schlechten Eigenschaften des Schnees (Nässe und Kälte) mit ein paar Features wie besonderer Dreckigkeit und der Fähigkeit, meterweit spritzen zu können.

Dieses Übel in Perfektion kommt natürlich auf die contra-Winter-Seite.


Heiße Bratäpfel, Punsch und Glühwein machen allerdings auch erst richtig Spaß, wenn man mit roten Backen und ausgekühlten Zehen nach Hause kommt. Sowas kann man nicht bei 17 Grad leckern.

Wird dem Winter gutgeschrieben.


Ein lästiger Zusatz ist die Luftfeuchtigkeit. Hat man gerade gelüftet und heizt danach, hat man viel zu niedrige Luftfeuchtigkeit und der Hals tut weh. Kommt man frisch aus der Kälte ins Warme, ist die Luftfeuchtigkeit hingegen grundsätzlichzu hoch und man sieht erstmal nichts mehr, weil die Brille beschlägt.


Niedlich hingegen sind kleine Kinder im Schneeanzug. Die tollpatschige und etwas unbeholfene Weise zu laufen, die man sonst nur bei Ein- bis Zweijährigen genießen kann, wird durch einen gut ausgepolsterten, dicken Schneeanzug bis aufs fünfte Lebensjahr erweitert. Klares Pro-Argument.


Schlecht hingegen ist, dass ich selbst nicht derart gut ausstaffiert bin wie die Kleinen. Wenn ich dick eingemümmelt bin, sehe ich weder niedlich aus, noch ist meine Hüfte in jeglicher weise von meiner Taille zu unterscheiden. Ich sehe einfach nur dick eingemümmelt aus. Mit Rollkragenpulli über einem langarmigem Shirt, mit Leggins unter den Jeans und Wollsocken. Und dann Jacke und Mütze und Handschuhe und Winterstiefel, die nicht mal richtig wasserfest sind. Negativ.


Aber nun mal zu dem Pro-Argument, dass überhaupt dafür sorgt, dass ich heute Morgen diesen Text schreiben kann: In den mittelfränkischen Schulen ist heute schneefrei. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich schneefrei.

Jippii!


Fazit: Unterm Strich ist er Winter gar nicht so schlecht.

Werbung.

  • 2. Dezember 2010 20:52

Es gibt sinnlose Werbung.

Zum Beispiel das Flugblatt, dass ich neulich in meine Fach hatte: “Doppelt stark”. Es ging um den doppelten Abitujahrgang. Durch die Verkürzung der Schulzeit werden in Bayern 2011 zwei Jahrgänge entlassen: Der aus dem alten, neunjährigen System und der aus dem neuen, achtjährigen. Ich gehöre zum alten System, G9.

Und was heißt das?

Keiner von uns G9-lern darf durchfallen. Wir bekommen die Noten sicher nicht nachgeschmissen – aber die Leute, die sonst kein Abi bekämen, bekommen bei uns jetzt eben eins, mit dem sie niemand will.

Der Andrang an den Unis ist deutlich stärker, der NC wird überall sinken, viele müssen aus Bayern raus, um überhaupt einen Studienplatz zu kriegen.

In einem Jahr, wenn viele ihr FSJ und ähnliches fertig haben, kommt die zweite Welle Studierfreudiger mit dem gleichen Problem.

Bei Ausbildungsjobs ist es natürlich genauso.

Kurz gesagt: Wir haben tolle Aussichten.

Alle paar Monate bekommen wir eine Infoveranstaltung, wie man sich vielleicht im Sommersemester des vorherigen Jahrgangs anmeldet und schnell alles nachlernt, um irgendwie in einen Studienjahrgang zu kommen, der nicht überfüllt ist.

Im Gang vor dem Sekretariat liegt immer ein großer Stapel Zeitschriften vom Kultusministerium, in denen steht, das alles super ist.

Und dann liegt ein grün-blauer Flyer in meinem Fach, der mit dem Slogan “doppelt stark” die beiden Jahrgänge damit verarscht, dass es für die bescheuerte Situation auch noch wirbt.

Danke.


Daneben gibt es aber auch noch Werbung, die einfach hinterfotzig ist und sich seine Zielgruppe etwas abseits des Gesetzes sucht.


In Erlangen hängen zur Zeit Plakate für Beck’s Gold, ein Bier, das “weniger herb” und “the beer for a fresh generation” sei. Das ganze wirbt mit Slogans wie “Für Vorreiter, nicht für Mitläufer” oder “Eher was für Männer als für Herren”.

Hm.

1. In welchem Alter muss man sein, um ein Bier nicht zu mögen, weil es den herben Geschmack hat, den Bier nunmal hat? Vielleicht bestätige ich jetzt gerade Vorurteile über Bayern, aber kein Junge über sechzehn in meiner Umgebung hat dieses Problem. Entweder hat er sich bereits an den Geschmack gewöhnt, oder er versteckt es hinter einem “Ja ‘türlich, schmeckt voll geil!” oder er ist einfach vernünftig genug, um etwas nicht zu trinken, wenn es ihm nicht schmeckt.

2. Wer könnte glauben, dass Bier männlich macht oder eine Biermarke individuell?

Hier befinden wir uns nun endgültig unter den Vierzehnjährigen.


Pall Mall hingegen hat zuzeit eine lustige Aktion mit bunten Zigarettenschachteln gestartet. Für die Aktion bekommt man Gratis-Zigaretten und ein Feuerzeug und muss dann “Mitspieler” suchen, was de facto ein Freundeskreis von Pall-Mall-Rauchern ist. Dazu muss man, wie’s aussieht, nur die Personalausweisnummer einer erwachsenen Person rauskriegen, was für jeden, der Eltern hat, nicht so schwierig werden sollte.

Alles ist auf verspielt getrimmt und heißt “Wo ist Whitey?”, die Schachteln sind klein und in kräftigen, bunten Farben.


Es dauert nicht mehr lang, dass sie Pokemon-Karten in jede Schachtel legen.